Allgemeine FAQ

PAIN2020 ist ein Projekt für Neue Versorgungsleistungen im Rahmen des Innovationsfonds. Es ist eine Studie, die bei Patienten mit Risikofaktoren einer Schmerzchronifizierung in schmerzmedizinischen Zentren die Effekte eines interdisziplinär-multimodales Assessment (IMA) gegenüber der bisherigen Versorgung vergleicht.

 

Konsortialfüher ist die Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. Konsortialpartner sind:

  • die BARMER, die den durchführenden Zentren einen Selektivvertrag zur Abrechnung der neuen Versorgungsleistungen anbietet
  • das unabhängige Evaluationsinstitut der Abteilung für community medicine in Greifswald
  • drei inhaltlich maßgebliche schmerzmedizinische Zentren in Dresden, Göttingen und Mainz

Patienten mit Schmerzen und einem Risiko für die Entwicklung chronischer Schmerzen sollen von ärztlichen Zuweisern oder der BARMER Krankenkasse identifiziert werden. Sie sollen einem ambulanten Assessment zugewiesen werden, das randomisiert entweder interdisziplinär multimodal als IMA oder uniprofessionell von einem Arzt durchgeführt wird.

 

Patienten, die nicht die Studienkriterien erfüllen, dürfen ihrem Behandlungsbedarf gemäß in alle in der Regelversorgung oder Selektivverträgen verfügbaren Therapieoptionen gesteuert werden incl. einer multimodalen Versorgung.

 

Patienten, die einer Teilnahme nicht zustimmen, müssen der Regelversorgung zugewiesen werden.

… in Stichworten:

 

  • Patienten mit Schmerzen frühzeitig systematisch versorgen
  • Neue Versorgungsleistung anbieten: frühes Interdisziplinäres Multimodales Assessment IMA mit Zusteuerung sektorenübergreifend in die Regelversorgung
  • Regelversorgung-ergänzende Angebote für einige dieser Patienten mit Edukation E-IMST oder Begleittherapie B-IMST
  • Vergütung dieser Leistungen über einen Selektivvertrag aus dem Innovationsfonds
  • Zusammenarbeit mit dem Projektteam und der BARMER
  • Verwendung von KEDOQ-Schmerz als gemeinsame Basisdokumentation ergänzt um Studienprozessdokumentation
  • Datenhaltung und -Verfügbarkeit
  • Nennung der aktiven Teilnehmer
  • Hilfe bei externer Qualitätssicherung
  • Mitarbeit an der Zukunft der Schmerzmedizin

A. Inhaltlich

 

Die neuen Versorgungsleistungen sind ambulant multimodal interdisziplinär. Da dies bisher so nicht möglich war, sprechen wir Einrichtungen an, die seit mindestens 3 Jahren teilstationär und stationär interdisziplinär multimodal entsprechend den Kriterien der ad-hoc-Kommission [1] arbeiten. Alle Optionen der Regelversorgung sollen den Patienten weiterhin angeboten werden.

Das interdisziplinär-multimodale Assessment (IMA) wird durch die -von der ad-hoc-Kommission der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. empfohlenen- Professionen Schmerzmedizin, Psychotherapie und Physiotherapie durchgeführt, die sich in einer Team-Sitzung bezüglich Diagnostik, Therapiezielen und Weiterbehandlung absprechen und ihre Empfehlungen anschließend gemeinsam an die Patienten vermitteln.

Dafür verfügen Sie über die notwendigen Strukturen und Prozesse.

Sie sind bereit, an einem randomisierten Projektdesign teilzunehmen und die erforderlichen Protokolle incl. Kerndatensatz gemäß KEDOQ-Schmerz im Verlauf zu dokumentieren.

Teilnehmer bieten ein interdisziplinär multimodales Assessment (IMA) an

  • … mit interdisziplinär multimodalem Assessment und Therapie zur Zeit
    • Teilstationär
    • Stationär
    • ambulant
  • … und Interesse an der Durchführung ergänzender Therapiemodule
    • Edukation (E-IMST): 1x mit 3 h in Gruppen à 12 Patienten
    • Begleitende Therapie (B-IMST): 1x/Wo mit 30 h über 10 Wo in Gruppen à 8 Patienten
  • Dokumentation in KEDOQ-Schmerz oder mit KEDOQ-Schmerz-Kerndatensatz
  • Ergänzende Studiendokumentation

[1] Casser H-R, Arnold B, Gralow I, Irnich D, Klimczyk K, Nagel B, Pfingsten M, Schiltenwolf M, Sittl R, Söllner W (2013) Interdisziplinäres Assessment zur multimodalen Schmerztherapie. Schmerz 27(4):363–370

 

B. Formal

 

Die Einrichtungen schließen wegen der Studie einen Kooperationsvertrag mit der Deutschen Schmerzgesellschaft. Zur Abrechnung der neuen Versorgungsleistungen mit dem Innovationsfonds treten sie einem Selektivvertrag mit der BARMER bei, der zunächst mit den Konsortialpartnern in Dresden, Mainz und Göttingen abgeschlossen wurde.

Die neue Versorgungsleistung besteht in der frühzeitigen Erfassung von Risikofaktoren für eine Schmerzchronifizierung, dann die Zuweisung zu einem schmerztherapeutisch spezialisierten Assessment (interdisziplinär im IMA oder unimodal in der SRV). Dazu gehören aber auch niederschwellige Angebote einer interdisziplinären multimodalen Schmerztherapie. In der Abbildung sind diese neuen Leistungen orange hinterlegt.

Die Honorierung der Neuen Gesundheitsleistungen wird über einen Selektivvertrag außerhalb der Regelversorgung über die BARMER mit dem Innovationsfonds abgerechnet. Sie berechnet sich nach dem Aufwand für die Gesundheitsleistungen, wie sie beantragt und genehmigt wurden.

Das interdisziplinäre multimodale Assessment (IMA)

Die einmalige Schulung E-IMST

Die Begleittherapie B-IMST

Das gesamte Projekt läuft 3 Jahre, vom 01.04.2018 bis zum 31.03.2021. Wir wollen den letzten der insgesamt 6.000 Patienten spätestens im April 2020 einschließen. Danach folgen noch Therapiebausteine, Nachbefragungen und Datensammlung incl. Sekundärdaten für die Evaluation.

 

Die Zeitplanung für den Patienteneinschluss in PAIN2020 rechnet sich aus der Projektlaufzeit (36 Monate bis März 2021):

Erster Patient (je nach Planung im Zentrum, Beginn März 2019)

Minus

warten auf Daten und Auswertungszeit (7 Monate)

= Zeitpunkt der Aufnahme des letzten Patienten im Mai 2020 (~17 Monate)

 

In dieser Zeit wollen wir 6.000 Patienten aufnehmen. Wenn wir das geschafft haben, steht im Raum, wie wir die zeitliche Lücke bis zur Übernahme in die Regelversorgung überbrücken. Da sind wir sehr gespannt darauf, welche Lösungen die Projekte aus der ersten Welle des Innovationfonds finden, werden uns aber selbst natürlich auch kümmern.

PAIN2020 ist eine Studie und wurde daher einer Ethikkommission (Universitätsklinikum Dresden) vorgelegt. Jede Einrichtung muss ihre jeweiligen Ethikrichtlinien berücksichtigen, d.h. dieses Erstvotum der eigenen Ethikkommission an einer Universität bzw. der der Landesärztekammern für die teilnehmenden Krankenhäuser und Praxen vorlegen. Wir unterstützen Sie dabei gern. Dazu sprechen Sie bitte mit Frau Dr. Ulrike Kaiser.

Nach den Entgeltziffern/-schlüssel, die die BARMER mit Ihnen in Anlage 2 des Selektivvertrags vereinbart. Es gibt 4 Entgeltziffern.

 

Leistung

Vergütung

Screening

35,00 €

Interdisziplinäres multimodales Assessment (IMA) – pro Patient

690,00 €

Begleitende interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie (B-IMST) – pro Patient und Behandlungseinheit (max. 10 Behandlungseinheiten abrechenbar)

140,00 €

Interdisziplinäre multimodale Edukation (E-IMST) – pro Patient

62,50 €

Ja, berentete Patienten gehören zur potentiellen Zielgruppe.

ja, pro Jahr. Die Fallzahlen gelten für Patienten mit subakuten Schmerzen, soweit man diese anhand der Sekundärdaten identifizieren kann, sowie folgende Ein- und Ausschlüsse:

 

    • Ermittlung aller Personen zwischen 18 und 70, die mindestens eine ambulante Kodierung einer der genannten Diagnosen in den Quartalen Q1 bis Q4 2017 hatten.
    • Einschlussdiagnosen: ICD zwischen ‚M40‘,’M54‘ oder ‚F45′,’R52‘, ‚M25‘, ‚G43‘, ‚G44‘, ‚M79‘ ohne ‚M797‘
    • Ausschluss aller Personen, die 2017 ein Ausschlusskriterium hatten: (‚C‘, ‚Z49′,’G35′,’I21‘), AU > 58 Tage, Verordnung von starken Opioiden.
    • Ausschluss aller länger erkrankten Personen, die bereits in den Quartalen 1 und 2 ein Einschlusskriterium hatten, also die Diagnose trat frühestens im dritten Quartal 2017 auf
    • Ausschluss aller Personen, die zur Zeit einen Pflegegrad ab 4 haben.

Im Kooperationsvertrag sind keine Sanktionen niedergeschrieben. Bei Mangel an Patientenrekrutierungen bemühen wir uns gemeinsam um Zuweisungen. Bei fehlenden Datenbankeinträgen melden wir uns. Wir werden diese neue Versorgungsleistung unter realen Bedingungen untersuchen. Dabei müssen wir mit Herausforderungen rechnen, die nicht mit der Durchführung klinischer Studien vergleichbar sind. Fragen und Schwierigkeiten wollen wir mit Ihnen zusammen beheben, weil wir uns in erster Linie als Unterstützung für die Implementierung einer neuen Versorgungsleistung verstehen.

Die Teilnehmer erhalten

 

I. Informationen zur Begründung des Projekts

 

  1. Ansprechpartner bei dem Projektteam
  2. Homepage und aktuelle Informationen rund um das Projekt (Newsletter)

 

II. Informationen und Schulung zu…

 

  1. Projektablauf
  2. Ablauf der Zuweisung und Schulung der Zuweiser
  3. IMA: Ablauf, Befundung und Steuerungskriterien sektorenübergreifend in die Regelversorgung und in die beiden neuen Therapiemodule
  4. Schulung zur Gestaltung der neuen Therapiemodule
  5. Durchführung der Therapiemodule
  6. Informationen und Anleitung zu KEDOQ-Schmerz
  7. Hilfe bei der Nachbefragung der Patienten

 

III. Den Selektivvertrag mit der BARMER zur Abrechnung der neuen Leistungen im Innovationsfonds

 

IV. Informationen und Materialien zur Durchführung

 

  1. Patienteninformation und Einwilligung
  2. Algorithmus für Zusteuerung zu Therapieoptionen
  3. Dokumentationsunterlagen
    1. Patientenliste zur Patientenaufnahme und Übersicht
    2. Gedruckte Papierunterlagen
    3. Online-Zugang zu auszudruckenden Dokumenten
    4. Vorlagen ggf. zur Anpassung an die eigenen Formalien
  4. Zugang zur PAIN2020 Datenbank mit den eigenen Dokumenten
  5. Zugang zu den Therapie- und Schulungsmaterialien

Ja. Die Dokumentation des KEDOQ-Schmerz-Kerndatensatzes wird als Papierversion zum Einschicken oder online zur eigenen Dateneingabe bereitgestellt. Dadurch steht jedoch der Zusatznutzen der Programme, die KEDOQ-Schmerz anbieten, nicht zur Verfügung (eine Art Doppeltdokumentation ist notwendig).

 

Zusätzlich gibt es eine ergänzende Studiendokumentation, ebenfalls mit den Optionen als Papierversion zum Einschicken oder online zur eigenen Dateneingabe.

Ja, die personenbezogenen Daten unterliegen einem hohen Schutzbedarf. Die Patienten haben diverse alte und neue Rechte, nun insbesondere der namentlichen Kenntnis der Projekt- und Datenschutzverantwortlichen. Die Information zu Inhalt und Art der Daten sowie ihre Rechte bezüglich Freiwilligkeit, Aushändigung und Löschung ihrer Daten werden ihnen in leichter Sprache in der Patienteninformation und Einwilligungserklärung vermittelt.